2017_FUX_SOMMERFEST_KURZFILME

PopUpKino beim Sommerfest

Kurze Filme, lange Nacht: Pop-up-Kino im Kachelraum

18 Uhr: DAS NEUE HAMBURG, Dokumentarfilm

Deutschland 1985, 70’, Regie Christian Bau und Manfred Oppermann, Produktion: die thede. Im Anschluss Gespräch mit Christian Bau, Regie & Christoph Twickel, Journalist

20.30 Uhr: TANZEN KÜSSEN PLATTEN AUS VINYL // KURZE FILME DURCH DIE NACHT

Eintritt frei, Spenden für die Lizenzen herzlich willkommen

 

DAS PROGRAMM IM DETAIL:

18 Uhr: DAS NEUE HAMBURG, Dokumentarfilm

Wir eröffnen den Abend im POPUPKINO im Kachelraum mit dem Dokumentarfilm DAS NEUE HAMBURG von Christian Bau und Manfred Oppermann. (Statt 70 Minuten zeigen wir die 45 Minuten-Fassung.) 1937 wurde im Auftrag Adolf Hitlers ein Architekturwettbewerb in Deutschland ausgeschrieben und die bedeutendensten Architekturbüros haben sich beteiligt. Es ging um nicht weniger als um die Neugestaltung der Hansestadt Hamburg. In DAS NEUE HAMBURG reflektieren einige der am Vorhaben beteiligten Architekten ihre damalige Tätigkeit und Funktion. Sie beschreiben den Umfang der Planung und die Bedeutung, die das Konzentrationslager Neuengramme dabei einnahm. Christian Bau und Manfred Oppermann untersuchen diesen Zusammenhang zwischen städtebaulicher Vision, Planung und Umsetzung im Fachismus. Wenn Bürgermeister Olaf Scholz heute Pläne von einem solitären Hochhaus an Hamburgs Elbufer plant, dann ist die Frage ob das wirklich neu ist für die Stadt interessant. Das Heute spiegelt sich im Gestern.

Das filmische Kollektiv die thede, Produzent von DAS NEUE HAMBURG und Genosse der fux eg, ist ein Zusammenschluss von Filmemacher*innen, die seit 1978 ethnographische Dokumentarfilme drehen. Viele Arbeiten der thede umkreisen Geschichte und Orte der Hansestadt Hamburg. Die Zäsuren, die bei diesen Kreisbewegungen entstehen, verlaufen horizontal und vertikal und finden andere Zeitlichkeiten als die eine, die nach vorne läuft. Mit dem Film DAS NEUE HAMBURG haben die Regisseure zum Zeitpunkt seines Erscheinens eine Unruhe in der Hansestadt getragen. Die aufgeworfenen Fragen, Tatsachen, Belege waren nicht so einfach unter den bekannten Teppich zu kehren. Erstmalig kam es zu einer Reflektion des Dokumentierten, des im Film Veröffentlichten.

In der Vicky Fux gibt es eine Tradition des Zeigens von Dokumentarfilmen, die Unruhe beim Betrachter auslösen. Das POPUPKINO folgt gerne dieser Tradition.

Christoph Twickel, Journalist führt das Gespräch mit Filmemacher Christian Bau.

 

20.30 Uhr: TANZEN KÜSSEN PLATTEN AUS VINYL // KURZE FILME DURCH DIE NACHT

Die Frage nach der Liebe und den Körpern kennt keine Grenzen / das war schon immer so und bleibt hoffentlich auch so! / Mal ist einer zu viel im Raum, mal sind drei gerade genug / die Plattenteller werden angeworfen / die Blusen ausgezogen / und wenn das Kaugummi von Hand zu Hand gereicht wird / dann ist es echte Liebe. / Der Bogen spannt sich zwischen historischen und zeitgenössischen Filmen / Beirut, London, New York / Nina Hagen im Hinterkopf / die Hand am Geschlecht / die Nacht kann beginnen.

Die Filme:

  • CIPKA / PUSSY Renata Gąsiorowska, Polen, 2016,  8’, Animationsfilm
  • LOVE YOU MORE Sam Taylor Wood, UK, 2008, 15’, Fiktion
  • THE RED CHEWING GUM Akram Zaatari, Libanon, 2000, 11’, Essay
  • ERA MELA MELA  Lionel Hoche Daniel Wiroth, 2000, 6’, Tanz
  • FUSES             Carol Schneemann, USA, 22’, 1965-68
  • THREESOME Johannes Dullin, Deutschland, Norwegen, Niederlande, 2009, 10’, Performance
  • PERSON TO PERSON  Dustin Guy Defa, USA, 18’, 2014, Fiktion
  • TOMORROW EVERYTHING WILL BE ALRIGHT Akram Zaatari, Libanon, 2010, 7’, ein Brief

Die Filmauswahl spiegelt Sehnsüchte und Körper. Strich folgt auf 16mm Material. VHS Video, Digitales Video. Es gibt sich wiederholende Motive, die von Sehnsüchten sprechen. Der Plattenteller ist ein romantischer Stellvertreter für das Unerfüllte, Erlebte, Vergangene. Wenn das Kaugummi von Hand zu Hand gereicht wird, dann ist es echte Liebe. Zwischen Männern. Im Libanon ein Taboo. und trotzdem und sowieso gibt es die Liebe und deswegen gibt es dieses rote Kaugummi. THE RED CHEWING GUM gehört zu dem Körper an frühen filmischen Arbeiten des libanesischen Künstlers Akram Zaatari. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Fotografie und Film, archivarischem Ansatz und Inszenierung.Mit TOMORROW EVERYTHING WILL BE ALRIGHT Alle Filme des Programms sind weltweit ausgezeichnet und sowohl im Kunst als auch im Festivalkontext gezeigt worden. Mein persönlicher Lieblingsfilm ist FUSES von Carol Schneemann.„ Als Pionierin der Performance-Kunst ist Carolee Schneemann (* 1939), die in diesem Jahr auf der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, in die Geschichte der Kunst eingegangen. Ihre Arbeiten über Geschlechterrollen, Sexualität und die Verwendung des Körpers in der Kunst sind von wegweisendem Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen.“ schreibt die Kuratorin der Ausstellung Kinetische Malerei- eine Einzelaustellung von Schneemann aktuell im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, Sabine Breitwieser, Direktorin des Museum der Moderne Salzburg. Die Kinetik ist dem Film voran gegangen. In FUSES hat sich Schneemann vor Zeiten von Instagramm und Snapchat über drei Jahre beim Liebemachen gefilmt. Auf 16mm. Sie hat das Material entwickelt und bearbeitet. Der 22minütige Film ist eine Poesie der Körper und der Liebe. Die Hingabe an den anderen spiegelt sich auch in der Hingabe in der Fülle des Materials und dem immer wieder Anfassen desselben wider. Und was wäre Fuses ohne Pussy und deswegen macht die junge polnische Künstlerin Renata Gąsiorowska mit ihrem sexy Film PUSSY den Auftakt für die Nacht. Die Hand am Geschlecht- let’s dance the night.

Die Kuratorin Maike Mia Höhne dankt allen Filmemacher*innen und Produzenten*innen für die Bereitstellung ihrer Arbeiten für das Sommerfest im FUX.

Termin: Samstag, 15. Juli, 18 bis 21.45 Uhr

Ort: Kachelraum Frappant e.V., (erreichbar über den zum Sommerfest geöffneten Eingang Zeiseweg 9 oder wie immer über den Hof Bodenstedtstaße 16)

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