Aus der ehemaligen Viktoria-Kaserne in Hamburg-Altona wird dauerhaft ein gemeinschaftlich betriebener Produktionsort für Kunst, Kultur und Gestaltung, Gewerbe und Bildung, kleine Firmen sowie soziale Organisationen. Die Genossenschaft fux eG hat das denkmalgeschützte Gebäude aus städtischem Besitz im Februar 2015 gekauft, um es zu sanieren, umzubauen und zu erweitern. Über 300 Menschen arbeiten hier, stellen und tauschen sich aus, experimentieren, und öffenen das Areal für den Stadtteil.

Der Hintergrund

Gentrifizierung ist nicht allein ein Problem von steigenden Wohnkosten, auch bezahlbare Arbeitsorte verschwinden. In Altona, Ottensen und generell in den zentralen Lagen Hamburgs kann man es erleben: Jeder Hinterhof, jede Lagerhalle und jede Brachfläche wird heute in Betongold verwandelt. Wenn die großen Investor*innen kommen, können lokale Kleingewerbetreibende und Kulturschaffende einpacken. Die fux eG und das Projekt in der ehemaligen Kaserne sind nicht zuletzt aus dem Widerstand gegen diese Entwicklung entstanden. Viele der Menschen, die in der Kaserne arbeiten bzw. dort arbeiten werden, haben durch die Ikea-Ansiedlung, das Großprojekt „Mitte Altona“ oder wegen anderer Bauprojekte wie der Phoenix Höfe ihre Räume verloren. Die Freie und Hansestadt Hamburg und der Bezirk Altona mussten sich der Forderung nach einem Ausgleich dafür stellen – Ende 2013 hat uns die Finanzbehörde die Immobilie zum Kauf angeboten. Nach anderthalb Jahre Verhandlungen hat die fux eG das Gebäude schließlich Anfang 2015 von der Stadt erworben.

Foto: Miguel Ferraz Araújo

Wer und was ist dabei?

Auf den nach Umbau und Modernisierung etwa 9.000 Quadratmetern Fläche werden die Dinge möglich, die durch die Kommerzialisierung der Stadt immer mehr aus den zentralen Vierteln verschwinden: bezahlbare Gewerbe- und Atelierräume, Flächen für gemeinschaftliche Nutzungen, d.h. Probe-, Ausstellungs- und Versammlungsräume und Produktionsstätten für kleine Betriebe. Unsere Dreifaltigkeit lautet: Kultur, Bildung und Produktion im Stadtteil.

Bei der Entwicklung der ehemaligen Viktoria Kaserne in Altona sind beteiligt: Bildende Künstler*innen, eine Fahrradwerkstatt, Grafik- und Modedesigner*innen, ein Umsonstladen, eine Foodcoop, Illustrator*innen, Architekt*innen und Stadtplaner*innen, eine Möbeltischlerei, Projekträume für Kinder- und Jugend-Workshops, eine Stadtteil-Cantina, Fotograf*innen, Filmemacher*innen, Musiker*innen, Theaterleute, Programmierer*innen, Buch- und Filmverlage, Kulturagent*innen, eine afrikanische Bibliothek & Bildungszentrum, ein Flinta* Sportverein, ein Buchhaltungsbüro, ein internationaler Bildungsträger, ein Journalist*innenbüro, eine Polsterei, eine Instrumentenbauwerkstatt, eine Schneiderei und ein Ton- und Lichtanlagenverleih. Neben Einzel- und Gruppenateliers bzw. -werkstätten wird es eine Gästeetage, Seminar-, Projekt- und Workshopräume, Veranstaltungsräume, die Ausstellungsräume des Frappant e.V. und vieles mehr.

Die Satzung der fux eG findet ihr hier: Satzung

 

Foto: Rasande Tyskar

fux heute - selbstverwaltet

Wir haben entschieden, uns als Genossenschaft zu organisieren, weil unsere Idee eines kommunalen, selbstverwalteten Gewerbe- und Kulturortes zum genossenschaftlichen Gedanken passt.

Einerseits sind wir alle, die in Altona und am Standort Berne arbeiten, ausstellen, Veranstaltungen machen oder anders aktiv sind, auf bezahlbare Räume angewiesen und haben uns zusammengeschlossen, um das genossenschaftlich zu ermöglichen. Andererseits wollen wir alle auch mehr als nur die Bezahlbarkeit – nämlich einen Zusammenhang, der uns auf neue Ideen bringt, der unsere Möglichkeiten erweitert, der sich auch gemeinsam artikulieren kann, wenn wir es wollen – künstlerisch, politisch und nachbarschaftlich.

Um möglich zu machen, dass alle das Haus mit entwickeln, gehen wir über die üblichen Genossenschafts-Entscheidungsstrukturen hinaus: Neben dem Vorstand und dem Aufsichtsrat gibt es das Mietengremium, der Hausversammlung und mehrere AG’s, die sich mit Öffentlichkeitsarbeit, Akquise, mit der Selbstverwaltung der Hausgemeinschaften, mit baulichen Entwicklungen oder mit der energetischen Zukunft des Gebäudes befassen.

Außerdem gilt bei uns das Prinzip der Selbstverwaltung auch auf der Ebene der Etagengemeinschaften: Die sogenannten Quartiere organisieren sich selbstständig und regeln ihre Angelegenheiten untereinander – auf diese Weise wollen wir vermeiden, dass die Genossenschaft zu einem Dienstleistungsunternehmen wird. Ein zentraler Aushandlungsort ist neben den Gremien und AGs die Hausversammlung, die rotierend von den Quartieren im Haus ausgerichtet wird. Wie in jeder Genossenschaft gibt es eine Generalversammlung, in der wichtige Entscheidungen getroffen werden. 

Foto: Dorfmüller / Klier

fux heute - Die Baustelle Altona 

Die Planung und Bauleitung haben die Architekt*innen Kerstin Scheffel und Rolf Königshausen von KSRK architekt & ingenieur übernommen. Auf dieser Seite findet Ihr ein paar Impressionen davon, was sich bislang alles getan hat. Es ändert und erneuert sich noch immer einiges auf unserer Baustelle.

Seit dem Ankauf der ehemaligen Viktoria-Kaserne im Februar 2015 sanieren wir das Gebäude denkmalgerecht, erschließen bislang ungenutzte Räume und bauen um. Die Planung und Bauleitung haben die Architekten Kerstin Scheffel und Rolf Königshausen von KSRK architekt & ingenieur übernommen.

Foto: Dorfmüller / Klier

Bisherige Baumaßnahmen

Bis 2014 nutzte die Universität Hamburg Teile des Gebäude –unsere erste Aufgabe bestand in der Entsorgung ihrer Hinterlassenschaften: Regale, alte Labor-Technik, abgehängte Decken, Lüftungsanlagen und diverse Einbauten mussten raus. Ebenfalls komplett entsorgen und erneuern mussten wir die gesamte Installation im Haus, denn im Laufe der Jahrzehnte ließen die Nutzer je nach Bedarf immer wieder neue, Kabelgeflechte durch die Wände ziehen. Neben der Elektroversorgung sind wir auch dabei das veraltete Heizungssystem und die Wasserleitungen neu zu installieren, zu modernisieren und unseren Bedürfnissen anzupassen. Da das Gebäude immer in städtischer Hand war und Umbauten kaum dokumentiert wurden, erleben wir im Laufe der Bauarbeiten immer wieder Überraschungen.

Der Untergrund hielt weitere Herausforderungen für uns bereit: Feuchte Kellerwände aufgrund fehlender Wasser-Ableitungen, alte Sielleitungen und Absackungen der historischen Latrinentrakte machten intensive Baumaßnahmen bis hin zu neuen Fundamenten notwendig. Und da die ehemalige Kaserne ein sogenanntes „Munitionsverdachtsgebiet“ darstellt, musste eine Fachfirma alle Erdarbeiten überwachen – für 400 € pro Tag.

Grundvoraussetzung für alle neuen Nutzungen ist ein funktionierender Brandschutz, den konnten wir über eine Brandalarmierungsanlage umsetzen. Per Funk wird nun im Falle eines Brandes der Alarm im gesamten Haus ausgelöst, wodurch wir uns aufwendige Sprinkleranlagen und die Abhängung der historischen Deckenkonstruktionen ersparen konnten. Über die Einteilung der Flächen in einzelne Brandschutz-Kompartimente konnten wir zusätzliche Türen und Wände überflüssig, machen, so können wir Flure in Teeküchen nutzen.

In vielen der Räume war der Putz schon nicht mehr mit den Wänden verbunden, so dass wir ihn abgenommen und neu aufgetragen haben. Im Bereich der Dächer haben wir Schwamm gefunden und sofort saniert. Beim Ausbau der Dachgeschosse haben wir neue Oberlichter in die Dachhaut integriert und Wände eingezogen.

Foto: Janna Wieland

Und was passiert aktuell? 

Im Haupteingangsbereich haben die fux-Handwerkerinnen und Handwerker einen neuen Fußboden gegossen. Das Treppenhaus „Süd-Ost“ bekommt eine zusätzliche Etage und neue Stufen aus Beton. Außerdem ist inzwischen die erste Charge der neuen Fenster eingetroffen, die die nachträglich in den 1960er Jahren eingebauten und nur einfachverglasten Standardfenster denkmalgerecht ersetzen. Zudem beginnt schon die Baustelle im Ostteil des Gebäudes, wo wir Einbauten entfernen und erste Räume renovieren. Parallel läuft im Keller die Trockenlegung der Wände, in deren Verlauf auch historische Lichtschächte wieder hergestellt werden können.

Neue Orte entstehen, z.B. die Kurzfilmetage unter dem neuen Dach im Westflügel. Der schöne Seminarraum von dock europe im 2. Obergeschoss West ist schon jetzt als Veranstaltungs- und Kongressort unverzichtbar in der Stadt, auch die Gästeetage im ersten Stock West brummt ordentlich. Im dritten Stock ist zwischen Süd- und Ost-Flügel ein ganz neues Quartier entstanden. Wir haben die Sanitäranlagen verlegt – die wunderschönen Erkergebäude, in denen sie bis dato waren, werden zu Atelier- und Arbeitsräumen umgebaut. Die Cantina brummt, der neue Haupteingang an der Ecke Zeiseweg / Bodenstedtstraße ist eingeweiht. Die Schwammsanierung in den Dächern ist erfolgreich abgeschlossen. 2018 wurde das Dachgeschoss des westlichen Kopfbaus erneuert und unser Eingang zur Ecke Bodenstedtstraße / Zeiseweg erneuert. Die gesamte Backsteinfassade war sanierungsbedürftig und wurde denkmalgerecht neu verfugt. 

Mitten drin und was noch auf uns zukommt: Restbauarbeiten, die sich bis 2027 erstrecken werden, sind Siele & Erdarbeiten, Fahrstuhl, Dach & West Balkone, Hofbelag & Hofgrün, Keller Sanierung, Fassade Mittlerer Osten & Anbau, Photovoltaik und die Werkhalle im Hof, die über RISE (Rahmenprogramm integrierte Stadtentwicklung) gefördert wird.