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SHIFT – beyond the binary

Vernissage — 4. Oktober 2019, 19 Uhr
SHIFT — beyond the binary // Vernissage Party
Ausstellung — 4.-13. Oktober 2019, Mo-Do 14-19 Uhr und Fr-So 14-21 Uhr
Fotografie, Installation, Malerei, Performance, Skulptur, Video
Rahmenprogramm: Buch-Release, Führungen, Lesung, Workshop

(englisch version below, einfache Sprache findet ihr ganz unten)

Die Gruppenausstellung SHIFT — beyond the binary im Frappant hinterfragt gegenwärtige Verständnisse von binären Geschlechterrollen. Das Künstler*innen-Kollektiv POSSY kuratiert Arbeiten, die unterschiedliche Positionen in Bezug auf Gender und Identität vertreten. Ausstellungsbesucher*innen sind dazu eingeladen, anhand intermedialer Arbeiten, Lesungen und Performances in verschiedene Realitäten einzutauchen. Gezeigt werden künstlerische Beiträge, die sich mit Themen der Verkörperung, Entkörperung, Auflösung und Formierung beschäftigen. Es gilt auch, zu hinterfragen, ob und wie sich über Identitäten ein politisches und feministisches Interesse repräsentieren lässt, ohne in Machtstrukturen zu fallen, die privilegierte Standpunkte erfordern und aufrechterhalten. Wir möchten allen Ausstellungsbesucher*innen die Türen öffnen, um in eine Untersuchung von Konstruktionen einzutauchen und sie dazu einladen, selbst aktiv Teil dieses Diskurses zu werden. Was ist ein gegenwärtiges Verständnis von binären Geschlechterrollen wie stereotypisch »weiblich« beziehungsweise »männlich«? Was ist umstritten, was fragil? Warum tritt die Gender-Debatte im 21. Jahrhundert in den Vordergrund und inwiefern steht die Anerkennung der Würde aller Lebewesen im Zusammenhang mit dem Auflösen von Dualität? Was bedeutet ein Widerstand im Denken, ein Experimentieren und Handeln?

Künstlerische Positionen sind fest installiert, tauchen zeitbegrenzt auf und bewegen sich zwischen realen und virtuellen Räumen. Den Seh-, Tast-, Geruchs- und Hörsinn ansprechend, entfaltet sich eine vielschichtig wahrnehmbare Erfahrung.

Künstler*innen — Sophie Allerding, Franziska Bauer, Madita Becker, Kate Chen, Dancing Beasts, George Demir, Serena Ferrario, Geht’s noch Kollektiv, Maik Gräf, Simone Karl, Lucas Kruse Kristiansen, Rose Marie Lindstrøm, Anne Linke, Ariane Litmeyer, Valerie Ludwig, Maikel Luka, Paulina Mohr, Wagehe Raufi, Klara Ravat, Anna Regner, Caro Siegl, Anna Stüdeli, Ryan Trecartin, Insa Wagner, Wase & Fiele

Kuratorinnen — Johanna Hohage, Lina von Jaruntowski, Fiete Lauschke, Valerie Ludwig, Laura Stieg

POSSY ist ein Künstler*innen-Kollektiv von jungen Frauen und nicht-binären Personen und steht primär für mehr weibliche, trans* und nicht-binäre Präsenz in Hamburgs Kulturszene. Es bringt Künstler*innen aus intermedialen Bereichen zusammen, ermöglicht Austausch und bietet ihnen eine Bühne. POSSY fungiert unter diesen Aspekten als Plattform für künstlerische Entfaltung.

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The group exhibition SHIFT — beyond the binary im Frappant questions contemporary understandings of gender roles. The artist* collective POSSY curates works that represent different positions in relation to gender and identity. Visitors to the exhibition are invited to use intermedial works, readings and to immerse performances in different realities. On show are artistic contributions dealing with themes of embodiment, disembodiment, dissolution and formation. It is also important to question whether and how a political and feminist interest can be represented through identities without falling into power structures that require and maintain privileged points of view. We would like to open the doors for all exhibition visitors to immerse themselves in an investigation of constructions and invite them to actively become part of this discourse themselves. What is a current understanding of binary gender roles such as stereotypically »female« or »male«? What is controversial, what is fragile? Why does the gender debate come to the fore in the 21st century and to what extent is the recognition of the dignity of all beings linked to the dissolution of duality? What does resistance in thought, experimentation and action mean?

Artistic positions are permanently installed, appear for a limited time, and move between real and virtual spaces. A multilayered perceptible experience unfolds, appealing to the sense of sight, touch, smell and hearing.

Artists — Sophie Allerding, Franziska Bauer, Madita Becker, Kate Chen, Dancing Beasts, George Demir, Serena Ferrario, Geht‘s noch Kollektiv, Maik Gräf, Simone Karl, Lucas Kruse Kristiansen, Rose Marie Lindstrøm, Anne Linke, Ariane Litmeyer, Valerie Ludwig, Maikel Luka, Paulina Mohr, Wagehe Raufi, Klara Ravat, Anna Regner, Caro Siegl, Anna Stüdeli, Ryan Trecartin, Insa Wagner, Wase & Fiele

Curators — Johanna Hohage, Lina von Jaruntowski, Fiete Lauschke, Valerie Ludwig, Laura Stieg

POSSY is an artist collective of young women and non-binary persons and stands primarily for more female, trans* and non-binary presence in Hamburg’s cultural scene. It brings together artists from intermedial fields, facilitates exchange and offers them a stage. Under these aspects, POSSY functions as a platform for artistic development.

**PROGRAMM**

• 05.-06. Oktober, 14–21 Uhr, Galerie

Geht’s noch Kollektiv — Horror
Horror setzt sich mit der Reduzierung eines als biologisch-weiblich angenommenen Körpers auf ein Bild auseinander. Die Performance ist eine Untersuchung und Hinterfragung des patriarchalen Machtgefälles, das sich im Male Gaze verkörpert.
// Horror deals with the reduction of a body assumed to be biological and female to an image. The performance is an investigation and questioning of the patriarchal power difference embodied in the Male Gaze.

• 05. Oktober, 16 & 20 Uhr, Galerie und Kachelraum

Dancing Beasts — Daddy
Die installative Gruppenperformance ist eine Einladung in den Fetisch-Traum einer schwulen Umgebung und die damit verbundenen Probleme. Sie bezieht sich auf die Nutzung von »sugardating« mit dem Zweck, sich gesehen, anerkannt und geliebt zu fühlen.
//The installative group performance is an invitation into the fetish dream of a gay environment and the associated problems. It refers to the use of »sugardating« for the purpose of feeling seen, recognized and loved.

• 06. Oktober, 20 Uhr, Kachelraum

Rose Marie Lindstrøm — No Filter
In der Solo-Performance No Filter kreiert Rose Marie Lindstrøm einen Zustand, in dem der physische und der digitale Körper zusammenwachsen und/oder sich voneinander lösen. Der digitale Einfluss stellt dabei die Wahrnehmung und das Konzept des Körpers immer wieder in Frage. Er führt dazu, die eigene Körpersprache und das eigene Bewusstsein in sozialen Situationen, auch wenn wir allein sind, zu verändern.
// In the solo performance No Filter, Rose Marie Lindstrøm creates a state in which the physical and the digital body grow together and/or separate from each other. The digital influence constantly questions the perception and concept of the body. It leads to changing one’s own body language and consciousness in social situations even when we are alone.

• 06. Oktober, 20:30 Uhr, Kachelraum ***ABGESAGT***

Lucifur — Pretty Baby ***ABGESAGT***
Pretty Baby ist eine Drag Queer Solo-Performance, in der der Performer Lucifur Erwartungen daran, was ein »Mann« ist und was ein schwuler »Mann« ist — hinterfragt und mit ihnen bricht.
// Pretty Baby is a drag queer solo performance in which the performer Lucifur questions and breaks expectations about what a »man« is and what a gay »man« is.

• 12. Oktober, 16–18 Uhr, Fux-Keller, Eingang Zeiseweg Ecke Bodenstedtstraße
//Fux-Keller, entrance Zeiseweg corner Bodenstedtstraße

Buch-Release — Inter_Sections. mapping queer*feminist art practices: Tonia Andresen, Marlene Mannsfeld (Hg.)
Der Sammelband Inter_Sections setzt sich mit Themen wie Geschlechterrollen, Queerness, Identität und Intersektionalität in der Kunst auseinander. Er nähert sich queerfeministischen Kunstpraktiken aus verschiedenen Perspektiven — von der Produktion künstlerischer Werke über kollektives Arbeiten und aktivistische Strategien. Im Rahmen der Veröffentlichung liest Sophie Lembcke aus »Trickstern gegen das Genie — Feministisch Kunst machen mit Erzählfiguren«. k kater präsentiert Joke Janssens Lecture Performance »Halten Formen. Trans* Materialisierungen denken lernen — Spiegel, Linie, Raum«. Mit einem Büchertisch von Marta Press.
//The anthology Inter_Sections deals with topics such as gender roles, queerness, identity and intersectionality in art. It approaches queerfeminist art practices from various perspectives — from the production of artistic works to collective work and activist strategies. As part of the publication, Sophie Lembcke will read from »Trickstern gegen das Genie — Feministisch Kunst machen mit Erzählfiguren«. k kater presents the lecture performance »Halten Formen. Trans* Materialisierungen denken lernen — Spiegel, Linie, Raum«, written by Joke Janssen. With a book table by Marta Press.

• 13. Oktober, 15–18 Uhr, Der Veranstaltungsort wird mit der Anmeldungsbestätigung bekannt gegeben (bedingt barrierefrei). // The venue will be announced with the registration confirmation (limited barrier-free)

Workshop — Inter_Actions. Kunst und Aktivismus, wie gründe ich ein Kollektiv? — Isabelle Edi
Hast du Lust, ein Kollektiv zu gründen? Wir wollen zusammen brainstormen und Strategien entwickeln. Was kann Zusammenarbeiten bedeuten? Wie teilt man am besten Stärken und Ambitionen, welche Türen lassen sich öffnen? Was bedeutet Vernetzen und welche Netzwerke können genutzt werden? Wie schafft man Reichweite? Ziel ist es nicht, diesen Workshop als Kollektiv zu verlassen, sondern im Austausch Lücken zu füllen und ein intuitives Starten und Sich-ausprobieren leichter zu gestalten. Um nicht zuletzt jene Scheu zu verlieren, die die Motivation, kollektiv zu arbeiten, im ersten Moment erfahrungsgemäß begleitet. Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei. Anmeldung mit Namen und Telefonnummer an contact@possy.co
// Do you feel like starting a collective? We want to brainstorms and develop strategies together. What can working together mean? What is the best way to share strengths and ambitions, which doors can be opened? What does networking mean and which networks can be used? How do you create range? The aim is not to leave this workshop as a collective, but to fill gaps in the exchange and to make an intuitive start and make trying easier. Not least to lose the shyness that accompanies the motivation to work collectively at the first moment. Participation in the workshop is free of charge. Registration with name and phone number to contact@possy.co

• 13. Oktober, 18:30–19 Uhr, Dock Europe, Eingang Zeiseweg Ecke Bodenstedtstraße (bedingt barrierefrei), entrance Zeiseweg corner Bodenstedtstraße (limited barrier-free)

Franziska Bauer — Die gerade Linie, die existiert nur in der Vorstellung (Lecture Performance)
Durch die eindeutige und doch metaphorische Annahme, dass die gerade Linie nicht existiert — beziehungsweise nur in der Vorstellung, werden unserer Gesellschaft fundamental zugrundeliegende Annahmen — wie Dualität, Norm und Grenzen — ins Verhör genommen. Franziska Bauer schreibt fest und um, sie variiert und kommentiert.
// Through the clear and yet metaphorical assumption that the straight line does not exist, or only in the imagination, fundamental assumptions underlying our society, such as duality, norm and boundaries, are interrogated. Franziska Bauer writes in and out, she varies and comments.

• Kuratorinnen-Führung, Details werden noch bekannt gegeben
// Curator’s tour, date and time to be announced

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Falls nicht anders ausgeschildert, ist der Veranstaltungsort nur über eine Treppe erreichbar
//Unless otherwise signposted, the venue can only be reached by stairs.

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Die Gruppenausstellung heißt SHIFT — beyond the binary. Das bedeutet VERSCHIEBEN – über Zweiteilung hinaus. Sie findet im Frappant statt. Sie fragt danach, wie man heute über die zwei Geschlechter männlich und weiblich denkt. Sie fragt auch, wie man über mehr Geschlechter denkt. Und über Körper im Allgemeinen, ohne an Geschlechter zu denken. Es geht auch um andere Lebewesen und Pflanzen.
Das Künstler*innen-Kollektiv POSSY hat mehrere Arbeiten von
Künstler*innen ausgewählt. Das * in Künstler*innen schreibt man, weil nicht nur Männer und Frauen, sondern alle Geschlechter gemeint sind. Die Künstler*innen beschäftigen sich mit Geschlecht und Identität und haben unterschiedliche Sichtweisen.
Ihr könnt in der Ausstellung versuchen, die unterschiedlichen
Wahrnehmungen und Umstände der Künstler*innen selbst zu spüren. Es gibt Arbeiten, Lesungen und Performances auf mehreren unterschiedlichen Medien.
Es werden künstlerische Arbeiten gezeigt, die Themen verkörpert oder ohne Körper darstellen. Die Arbeiten lösen Vorstellungen auf oder stellen etwas zusammen.
Es wird auch kritisch gefragt: Wie können Künstler*innen politische und feministische Sichtweisen darstellen, ohne dass sie Macht oder ein besonderes Vorrecht brauchen? Auch ihr sollt die Ausstellung besuchen können, ohne Macht oder besondere Vorrechte zu haben.
Wir möchten euch die Türen öffnen, damit ihr die Konstruktionen untersuchen könnt. Ihr sollt selbst über die Themen und Arbeiten nachdenken und sprechen können. Wie versteht man heute die binären (zwei) Geschlechter wie typisch
„männlich“ und „weiblich“? Worüber wird gestritten? Was ist zerbrechlich? Warum ist die Debatte um Geschlechter im jetzigen Jahrhundert wichtig? Die Würde von allen Lebewesen soll anerkannt werden und man weiß jetzt, dass es nicht nur
zwei Geschlechter gibt. Wie hängt das zusammen? Was bedeutet es, beim Denken einen Widerstand zu spüren? Was
bedeutet ein Ausprobieren und Handeln zu diesem Thema?
Die Positionen der Künstler*innen sind fest in unserer Zeit und Umgebung. Sie bewegen sich zwischen „echten“ und vorstellbaren Räumen. Der Sehsinn, Tastsinn, Geruchssinn und Hörsinn wird angesprochen. So gibt es eine Erfahrung, die ihr auf vielen Ebenen wahrnehmen könnt.