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Mi. 19.11.2025

Bernhard Nocht – Organisator der deutschen Kolonialmedizin. Eine postkoloniale Kritik

Zum 125-jährigen Jubiläum des Bernhard-Nocht-Instituts muss kritisch hinterfragt werden, welchen Beitrag diese Institution in der deutschen Kolonialgeschichte gespielt hat. Dieser Frage widmet sich am 19. November eine Veranstaltung in der GWA:

Bernhard Nocht – Organisator der deutschen Kolonialmedizin. Eine postkoloniale Kritik
Mit Markus Hedrich, Historiker; Bernard Laulian Ntahondi, Dar Es Salaam Center for Architecture; Daniel Manwire, Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi; Moderation: Meryem Choukri, Soziologin & Kulturwissenschaftlerin
Mittwoch, 19. November 2025, 19 Uhr
Kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12, 20359 Hamburg
https://gwa-stpauli.de/termin-detail/termin/bernhard-nocht-organisator-der-deutschen-kolonialmedizin/

Tropenkrankenhaus – das hört sich für viele wie eine medizinische Serviceleistung für Kreuzfahrten und Fernreisen an. In einer Laudatio für den Namensgeber benennt der stellvertretende Leiter des Institutes Gustav Giemsa im Jahr 1918 jedoch andere Motive: „Ohne diese Pionierarbeit ist an eine Erschließung und Besiedelung unseres Kolonialbesitzes nicht zu denken.“

Markus Hedrich, Autor der kürzlich erschienenen Biografie „Bernhard Nocht – Der Organisator der deutschen Kolonialmedizin“ wird auf der Veranstaltung den Lebenslauf des Mediziners beleuchten und detailliert nachzeichnen, wie sich Bernard Nocht als Vertreter einer „kolonialen Generation“ zunächst als Militärarzt bei der Inbesitznahme von Inseln im Pazifik betätigt und schließlich das Tropeninstitut zu einer der „wesentlichen kolonialmedizinischen Relaisstellen des Kaiserreiches“ ausgebaut hat. Hedrich konstatiert dabei, dass Kolonialismus eine Grundüberzeugung Nochts war. Auf ihn ist z.B. die Empfehlung zurückzuführen, nach der die afrikanische und europäische Bevölkerung in den Metropolen der deutschen Kolonien aus „hygienischen Gründen“ getrennt werden müssten, da er die afrikanische Bevölkerung entlang rassistischer Kriterien als Quelle von Krankheiten ausmachte.

Welche Spuren die daraus folgenden kolonialen Maßnahmen in der Stadtgesellschaft Daressalams hinterließen und wie sich diese bis heute in die Geografie der Stadt eingeschrieben haben, wird von Bernard Laulian Ntahondi nachgezeichnet, der als Ausstellungskurator und Historiker seit vielen Jahren zur Dekolonisierung des städtischen Raums in Daressalam arbeitet.

Abschließend beschreibt die Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi, wie die Erzählung von den Gefährlichen Schwarzen, die die Gesundheit der weißen Bevölkerung gefährden, heute in der Bernhard-Nocht-Straße in St. Pauli in alarmierender Weise wieder auflebt und zu Maßnahmen führt, die als Racial Profiling kritisiert werden müssen.

Eine Veranstaltung der ikw (Interkulturelle Werkstatt) e.V., der Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi und der Geschichts-AG denkXmal der fux eG.

Ort: Kölibri, Hein-Köllisch-Platz 12