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Die fux-Fassadensanierer im Interview: „Oh, das braucht Zeit!“

Seit Ende 2018 fräsen, klopfen und mörteln sie: Bis zu zehn Mitarbeiter der Firma Nüthen Restaurierungen sanieren die historische Fassade der fux eG auf denkmalgerechte Art und Weise. Wir wollten wissen: Wer sind diese Leute, die bei Wind und Wetter auf den Baugerüsten stehen, warum wird auf der Fassadenbaustelle vor allem polnisch gesprochen und wie lange dauert das noch? Hier ist das Interview, das wir mit Maurermeister Damian Franelak, 35 Jahre, geführt haben, der die Fassadenarbeiten anleitet, er hat seine Mitarbeiter Andrzej Liskowicz und Dawid Buchacz, 53 und 22 Jahre alt, zum Gespräch mitgebracht.

fux eG: Wie lange arbeiten Sie schon in Deutschland?

Damian Franelak: Ich bin schon 11 Jahre dabei.

Andrzej Liskowicz und Dawid Buchacz: Wir seit drei Jahren.

fux eG: Alle, die mit der Reparatur unserer Fassade beschäftigt sind, kommen aus Polen?

Franelak: Nein, wir haben auch zwei deutsche Maurer dabei.

fux eG: Wie kommt es, dass vor allen Dingen Polen diese Arbeit machen?

Franelak: Wenn wir jemanden brauchen und niemanden in Hamburg finden, dann holen wir ihn direkt aus Polen. Ich habe zum Beispiel Andrzej kennengelernt und für die Firma engagiert. Und er hat wieder seine Bekannten aus Polen hierhergeholt, als gute Mitarbeiter. So funktioniert das.

fux eG: Und was ist mit den Baustellen in Polen? Fehlen da nicht die qualifizierten Leute?

Franelak: Ja, das ist gar nicht so einfach, in Polen gute Mitarbeiter zu kriegen. Die guten Leute sind schon irgendwo auf Montage. In Deutschland…

Liskowicz: Oder in England oder Frankreich. Auch in Holland!

Buchacz: Meine Kollegen aus Oberschlesien arbeiten viel in Schweden. Das ist ja nicht weit von da aus.

fux eG: Weil in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern bessere Löhne gezahlt werden?

Franelak: Auf jeden Fall mehr als in Polen. Aber inzwischen steigen die Löhne dort auch, weil sie Mitarbeiter suchen. Inzwischen bleiben gute Leute auch gerne mal in Polen.

fux eG: Wieviel Leute arbeiten an der Fassadensanierung?

Franelak: Immer etwa 10 bis 12 Mann, jeden Tag, 10 Stunden lang. Wir haben November 2018 damit angefangen – und wir brauchen mindestens noch ein Jahr. Wir werden im Dezember wahrscheinlich noch arbeiten, erfahrungsgemäß kommt der Frost erst nach Neujahr.

fux eG: Was ist das Problem mit unserer Fassade?

Liskowicz: Die Fugen und auch die Steine.

Franelak: Vor allem auf der Wetterseite ist über die Jahre Feuchtigkeit in die Fassade eingedrungen. Während der Frostzeiten hat das dann die Fassade beschädigt.

fux eG: Das Haus ist 135 Jahre alt – ist vorher nie etwas gemacht worden zum Schutz?

Franelak: Wir haben hier und da Stellen entdeckt, an denen Reparaturen gemacht worden sind. Aber das reicht nicht. Eigentlich muss so eine Fassade alle fünfzig Jahre saniert werden.

fux eG: Wie gehen Sie vor?

Franelak: Wir fräsen erstmal die Fugen komplett mit dem Winkelschleifer und räumen bis zu einer Tiefe von 1,5 bis 2 Zentimeter aus. Dann machen wir es mit einem Sauger und einem Hochdruckreiniger sauber. Und dann verfugen wir neu. Das hält dann hoffentlich mindestens 50 Jahre lang.

fux eG: Nur die erste Schicht?

Liskowicz: Ja, dahinter ist ja die Vorsatzschale, die können wir ja nicht neu mauern.

fux eG: An manchen Stellen muss aber neu gemauert werden?

Franelak: Genau, da wo die Steine wirklich kaputt oder lose  sind. Manche Flächen mussten wir komplett ausbauen und neu mauern.

fux eG: Wie lang brauchen Sie für einen Quadratmeter Fassadensanierung?

Liskowicz: Oh, das braucht Zeit! Das lässt sich nicht so einfach sagen. Wenn die Steine kaputt sind, musst du sie erstmal nach unten bringen und neue Steine raufholen.

Franelak: Die glatten Stellen gehen schnell. Das hängt vom Stein ab. Wenn die Steine sehr porös sind, kann man das nicht so machen, dann müssen wir mit Kellen verfugen. Aber hier haben wir auch die glatten Klinkersteine, die man einfach abwischen kann. Und da, wo wir Gesimse aufarbeiten, dauert es natürlich auch lange.

fux eG: Viele polnische Bauarbeiter kommen erst auf Montage und bleiben dann aber in Hamburg?

Franelak: Genau, oft arbeiten die erst ein halbes Jahr lang auf Montage und  dann holen sie ihre Familien nach. Montage geht nicht gut auf längere Zeit, jede zweite oder dritte Woche nach Polen zu fahren ist zu teuer. Getrennt leben ist schlecht.

fux eG: Wohnen nicht viele polnische Bauarbeiter auf Montage in Containern oder Wohnwagen?

Franelak: Die Zeit ist eigentlich vorbei. Vor 10, 15 Jahren haben meine Kollegen hier auf dem Parkplatz gewohnt, im Auto, aber mich hat das nicht mehr getroffen. Wenn jemand eine gute Arbeit macht, kann man hier auch gut verdienen und gut leben. Wer heute hier her kommt, dem besorgen wir zumindest ein Bett zum Schlafen. Inzwischen haben wir hier ein Netzwerk und können helfen. Es gibt polnische Websites für Wohnungssuche in Hamburg. Vorher gab es das nicht.

Liskowicz: Ich hatte 15 Jahre lange eine eigene Firma in Polen. Sechs Jahre lang habe ich in Frankfurt am Main gearbeitet, als Trockenbauer und Maurer… alles mögliche. Dann bin ich zurück nach Polen und jetzt mache ich schon drei Jahre lang Trockenbau und Mauern in Deutschland. Und eben Fassadenarbeiten. Letztes Jahr ist meine Frau auch hergezogen.

fux eG: In welchen Stadtteilen wohnen Sie?

Liskowicz: Jenfeld.

Franelak: Barsbüttel, gleich hinter Jenfeld.

Buchacz: Ich Reeperbahn. Zwei Zimmer, Küche und Bad. 800 Euro. Ich wohne da mit meinem Bruder.

Franelak: 400 Euro Miete pro Person ist ganz normal.

Liskowicz: Wir zahlen auch 800 Euro, ich und meine Frau.

fux eG: Was sind die Pläne? Wollen Sie in Hamburg bleiben?

Buchacz: Ich bleibe hier. Fast meine ganze Familie lebt schon hier. Ich bin schon seit 4 Jahren in Hamburg, habe mit Trockenbau angefangen. Ich weiß, wie die U-Bahn hier fährt, ich hab Kollegen, es ist gut hier.

Franelak: Ich hab drei Jahre, nachdem ich in Hamburg angefangen habe, meine Frau kennengelernt, in Polen, sie ist dann auch hergezogen. Ich möchte gerne in Hamburg bleiben.

Liskowicz: Ich weiß noch nicht. Vielleicht bleibe ich hier, vielleicht gehe ich zurück. Mal gucken. Ich hab ein Haus, 100 Kilometer von Krakau entfernt, 1400 Kilometer von Hamburg. Einmal im Monat fahre ich für zwei, drei Tage hin, mach sauber und erledige Gartenarbeiten. Für Urlaub bleibt da keine Zeit.

Das Interview führte Christoph Twickel
Die Fotos machte Jakob Börner